Team Arti
„Und irgendwann lacht das Schicksal ganz laut und es gibt dir einen Grund dein komplettes Leben zu ändern. Kennst du das? Man macht Pläne für die nächsten Woche, Monate oder vielleicht auch sogar schon Jahre? Tja, so war ich auch mal. Ich habe mein Leben geplant als gäbe es kein morgen. Aber dann kam dieses Pferd in mein Leben und hat mir gelehrt, dass man nichts planen kann im Leben. Und vor allem, dass ich nichts muss, sondern nur kann. Das ist meine Geschichte mit Arti (15.04.1987 - 14.12.2018)

Die Freundschaft zwischen mir und Arti war das perfekte Beispiel dafür, dass Freundschaft Zeit zum wachsen braucht. Wir haben uns am Anfang gehasst. Also so richtig. Ich war damals süße 12 (heute bin ich übrigens 20) und Arti war 24. Ja das ist auch schon sehr alt für ein Pferd und ich glaube, er war wirklich genervt von mir. Ich war nunmal typisch 12, ein wenig zu frech, laut und zu viel Energie für so ein altes Pferd. Ich glaube auch, dass Arti mich wirklich nicht mochte. Er hat mich ignoriert und wollte auch nicht, dass ich ihn anfasse. Heute kann ich es verstehen, wenn Tiere nicht angepackt werden wollen von Fremden, mag ich ja schließlich auch nicht, aber mit 12 fällt einem das schon sehr schwer. Nun gut, wie ich ja bereits erwähnt habe braucht Zeit zum wachsen und ich kann bis heute nicht sagen wieso es dazu gekommen ist, aber auf den einanderen Tag mochten wir uns. Wir sind zusammengewachsen, wie ein Puzzelstück das zusammengehörte. Und so zogen die Jahre ins Land, Arti wurde älter, genauso wie ich. Nur Arti merkte man immer mehr die körperlichen Schwächen an und so musste Arti mit 27 in Rente gehen. Tja, was macht man jetzt mit so einem Pferd? Für viele war er ein Grund zum wegstellen. Immer wieder hörte ich wie Leute zu mir sagten „willst du dir nicht lieber ein richtiges Pferd nehmen, also eins was man auch reiten kann?“ Nein, das wollte ich nicht. Ich wollte nur, dass Arti glücklich ist und wir noch schöne Tage zusammen haben, denn jeder Reiter weiß, wenn ein Pferd nicht mehr richtig läuft, macht es nicht mehr ganz so lange. Und so habe ich mir als „Aufgabe“ gesetzt, Arti die schönsten Tage mit mir zu schaffen, soweit wie es nunmal geht. Vor allem für ihn. So haben wir mit Zirkustricks angefangen um den kleinen Mann, so wie ich ihn manchmal nannte, um vor allem vom Kopf auszulasten. Und ich muss sagen, er war wirklich sehr talentiert. Und das schreib ich nicht nur aus Freundschaft zu ihm. Arti liebte Zirkustricks und beherrschte in den laufenden 5 Jahren, fast alles was man einem Pferd in einem seinem Alter beibringen konnte. Angefangen von "lachen" bis apportieren. Besonders "Bein ausstrecken" fand er toll, kann man übrigens auch auf den Fotos sehen.

Die Zeit zog immer mehr ins Land und jeder Tierhalter merkt irgendwann den Zeitpunkt, an dem das Tier immer weniger kann. So war es auch bei uns. Wir setzten unsere Tricks manche Tage aus ( wir haben auch andere Dinge gemacht, aber das hat ihm immer am meisten Spaß gemacht) und so entspannten wir auch manchmal einfach nur zusammen. Er stand in der Sonne auf seinem Sandplatz und ich saß daneben im Sonnenstuhl und sonnte mich mit ihm. Wir mussten ja nichts machen, wir konnten ja nur. Die Hauptsache war, dass wir glücklich waren und uns hatten.

Und dann kam der Zeitpunkt an dem man seinen beste Freund gehen lassen muss. Auch wenn er nicht mehr hier bei mir auf der Erde ist und mir keiner mehr entgegenwiehrt (das fehlt mir wirklich sehr), weiß ich, dass es besser ist für ihn. Trotzdem ist er noch bei mir, überall. Man muss sagen, dass Arti vielleicht mehr erreicht hat in seinem Leben, als manche Menschen. Schließlich hat er es geschafft mir beizubringen, dass Gute Sachen Zeit zum wachsen brauchen, dass man nicht muss, sondern nur kann und vor allem, dass man glücklich sterben sollte und man sein Leben so nutzen sollte wie man es für richtig hält.

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